Nina Kossegg (16)

Einfach so

Er hielt sie im Arm, begann, ihre Finger zu streicheln.
Sie sprachen von Sternbildern, suchten, zeigten. Der große Wagen war schnell gefunden, dann jedoch verdeckten Wolken den Himmel, ihre Gestalt, die er nur noch als Schatten neben sich zu erahnen vermochte, verschwamm in der Dunkelheit.
Ihr Lachen, ihre Stimme, als sie zu singen begann, alles so vertraut. Ebenso vertraut wie der Duft ihres Haares oder die Stille der Nacht.
Er lehnte sich zurück, die Baumrinde in seinem Rücken war rauh, und er roch Harz.
Ihre Hand noch immer in seiner, warm, und jetzt auch ihr Kopf auf seiner Schulter, so voller Vertrauen war diese Geste.
Wer sie war, hatte er gefragt, sie hatte aber nur gelacht.
Er versuchte, ihren Blick aufzufangen, konnte ihn jedoch nicht finden.
Er wußte nicht einmal, welche Farbe ihre Augen hatten, dunkel, so glaubte er, waren sie, nachtdunkel.
Als sie sich an ihn schmiegte, flüsterte, daß ihr kalt sei, und er daraufhin die Arme fester um sie legte, war die Farbe ihrer Augen mit einem Mal nicht mehr wichtig.
Sie war eingeschlafen, irgendwann. Jetzt begann es langsam zu dämmern.
Er hatte sie zugedeckt, mit seiner Jacke, stand nun vor der Bank, auf der sie lag.
Die Nacht war fort, und mit ihr die Stunden der Gespräche und Umarmungen.
Er würde gerne gehen.
Ihr gleichmäßiger Atem – er wartete.
Sie hatten geredet, beinahe die ganze Nacht hindurch. Sie hatte mit einer ihrer Haarsträhnen gespielt, während sie ihm zugehört hatte.
Er seufzte, setzte sich wieder neben sie auf die Bank. Er konnte nicht gehen, nicht einfach so.
Er nahm die Schlafende in den Arm, sie schmiegte sich an ihn, murmelte etwas.
Er nahm ihre Hände und fing an, wieder ihre Finger zu streicheln.