Christiane Scherch (14)

Verraten

Ich nahm
ein weißes
unbeschriebenes
Blatt.
Tauchte es in Farben
Fing deine Seele darin ein
Und faltete es
In deine Hände.

Ich machte die Sprache sprachlos

Zerriß es
In deine Worte
Und ließ sie sprechen
Als du träumtest

Zuckersüß.

Wenn vernähte Münder reden
Nennt man es Liebe.

Ich nenn’ es Rätsel.

 

Wenn Steine fliegen

Vom Rauch versteckt
Dein Blick
Starr vor Angst
Leere deiner Augen
Und ein unechtes Lachen
Macht dich taub.
Die Welt zerfetzt dich
In tausend Stücke
Füllt dich mit Gleichgültigkeit
Eine Bewegung
So schwer
Wie die drei Worte
Die du nicht benutzt.
Lass dich fallen
Dreh dich im Kreis
Ohne aufzustehen
Und überlass dich
Der Schwerelosigkeit
Eines Universums
Das du nicht mehr kennst.

 

War – sein – werden

Im Dunkelsein
Bin ich gewesen,
war gegangen
um mit dir zu sein
für ein Werden
was nicht gewesen
sein darf.

Im Dunkelsein
War ich gewesen
Um mit dir zu werden
Für ein Gewesensein
Was nicht werden darf.

Und trotzdem
Bin ich gewesen
Ohne ans Werden
Gedacht haben
Zu können.

 

Stillstand

Bin gefangen
Im Nichts.
Meine Uhr hat aufgehört zu ticken.
Ihre Zeiger stehen still.
Vielleicht das Zifferblatt umdrehen
Um zu vergessen
Dass meine Stunden
Nicht mehr zu zählen sind.

Was gestern war
War wenigstens.
Aber was jetzt ist
Ist zu wenig
Um es in
Wertlose Sekunden zu füllen.