Stefan Möller (13)

Ein schlauer Plan

Johann war Knappe auf der Burg Hochstolpen. Da er bald Ritter werden wollte, musste er viele Kampftechniken mit Schwert, Pfeil und Bogen beherrschen.

Wieder einmal wollte König Theodor die gegnerische Burg Mark erobern.

Johann wusste, dass das Heer von der Marksburg dreimal so groß war wie das von Hochstolpen. Die Ritter, die wieder einmal groß auf dem Hof auftrumpften, würden doch sowieso wieder gegen die Marksburg verlieren. Johann ging lieber seiner aufgetragenen Arbeit nach, als sich die große Show der Ritter anzusehen.

Als die Ritter aus dem Tor und Richtung Burg ritten, war Johann mit seinen Aufgaben gerade fertig geworden. Nun nahm er seine Pfeile samt Bogen und lief ebenfalls aus der Burg, aber nicht zur gegnerischen Burg Mark, sondern schnurstracks in den Wald. Er kannte ihn ziemlich gut und hatte sich bis jetzt noch nie verlaufen. Wenn er nicht den Diener auf der Burg spielen musste, ging er in den Wald, wo er sein Baumhaus aufgebaut hatte und wo er außerdem noch das Bogenschießen trainierte. Es war kälter als auf der Burg, aber das machte Johann nichts aus, da er dick angezogen war. Plötzlich roch er Feuer und sah Rauchschwaden aufsteigen. Vorsichtig pirschte er sich an und sah ein großes Heer der Burg Mark, das etwa aus einem Dutzend Soldaten bestand »So«, dachte er, »wenn unsere Soldaten die immer noch gut bemannte Marksburg angreifen wollen, greift ein Drittel der Ritter uns an. Na wartet, euch werde ich’s noch zeigen«, und mit diesem Gedanken holte er ein Seil aus dem Baumhaus und spannte es mitten über den Weg. Dann kam ihm eine großartige Idee. Er hatte vor ein paar Tagen eine Wolfsgrube entdeckt, diese bedeckte er mit Gestrüpp, und als letztes band er ein Netz voller Steine an einen Ast.

Als alles vorbereitet war, holte er seinen Bogen und lief zu den Fußsoldaten. Mit lauter Stimme rief Johann: »Hey, ihr lahmen Blechdosen, kriegt mich doch, wenn ihr könnt!« Verärgert über diese Bemerkung des frechen Knappen liefen sie hinter ihm her. Als erstes fielen drei Soldaten in die Wolfsgrube. Während Johann einen Umweg um sein Seil lief, rannten die Soldaten mitten in das Seil, weil sie es vor lauter Verfolgung nicht sahen. An dem Seil fielen, wie Johann es sehen konnte, fünf Soldaten um. Johann wollte gerade den Baum hinaufklettern, als ihn ein Soldat an seinem linken Bein hinunterzog.

Unsanft fiel er auf seine Pfeiltasche. Mit der rechten Hand suchte er sich, so schnell er konnte, einen heilen Pfeil. Während der Soldat rief: »Steh auf!«, hatte Johann blitzschnell den Pfeil in seinen Bogen gespannt und zielte auf das Netz mit Steinen. Die Soldaten bekamen gar nicht so schnell mit, dass ein schwerer Sack Steine von oben direkt auf sie fiel. So waren die restlichen Soldaten auch K. O.

Als Johann auf der Burg ankam, wurde er auf dem Burghof wie ein großer Held gefeiert. Er wunderte sich, warum sie es schon wussten, aber der Turmwächter hatte alles genau beobachtet und es sofort dem König berichtet. Dieser sah das Geschehen auch und war erstaunt über die großen Fähigkeiten des Knappen. Und dann folgte dies: »Durch die großartige Leistung wirst du hiermit zum Ritter geschlagen,« sagte der König mit feierlicher Stimme, und so war Johann ein großer, noch junger Ritter, der aber noch viel lernen musste.