Aurelia Fröhle (10)

Walaldaw im Büdinger Wald

Als ich einen Waldspaziergang machte, kam mir plötzlich ein aufgeregter alter Herr entgegen. Er wollte mir unbedingt etwas sagen, aber ich konnte ihn nicht verstehen. Schließlich beruhigte er sich wieder, und ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

Er fing an zu erzählen: »Ich wollte gestern Morgen genau wie du einen Waldspaziergang machen, doch plötzlich hörte ich schwere Schritte hinter mir. Als ich mich umdrehte, sah ich einen großen Mann vor mir. Er trug nur ein zerschlissenes Wildlederhemd und eine kaputte Lederhose. Außerdem hatte er einen Speer wie in der Steinzeit bei sich. Ich erschrak, doch das half mir auch nicht weiter.«

Der Alte machte eine Pause. Dann redete er weiter: »Der Große bedrohte mich mit dem Speer und sagte, dass ich mitkommen soll. Er führte mich durch fast den ganzen Büdinger Wald, bis wir zu einem kleinen Dorf kamen. Dort wurde ich an einen Baum gebunden und alle Einheimischen tanzten um mich herum. Alle Männer trugen die gleiche Kleidung, nur die Frauen hatten lange Gewänder an. Mütter hielten ihre Kinder im Arm und alle hatten bunte Striche im Gesicht. Sie wohnten in Zelten aus Tierhäuten, überdeckt mit Ästen. Überall liefen zahme Tiere herum, die ich noch nie gesehen hatte und die mich anschauten, als wäre ich ihr Mittagessen. Mir war richtig mulmig zumute!«

Er machte eine Verschnaufpause. Nach kurzer Zeit fuhr er fort: »Gegen Abend, als alle schliefen, konnte ich mich befreien. Ich wanderte die ganze Nacht durch den Wald. Jetzt bin ich angekommen, das Dorf Klein-Büdingen ist eine Gefahr für uns alle!«

Als ich etwas näher kam, um ihm aufzuhelfen, konnte ich deutlich riechen, dass der Mann Alkohol getrunken hatte!