Aurelia Fröhle (10)

Das Nichts oder: Ratten – ein Albtraum

Marco ist 11 Jahre alt und soll in den Sommerferien zu seiner Oma fahren.

Als seine Mutter ihm das erzählte, wäre er beinahe in Ohnmacht gefallen, denn seine Oma ist einfach schrecklich!

Sie ist eine kleine, etwas zu dicke Dame, die ihn wie ein kleines Mädchen behandelt.

Aber das Schlimmste ist: Wenn er bei ihr zu Besuch ist, muss er alles für sie erledigen, Geschirr spülen, Einkaufen gehen, Staub wischen, ja, manchmal sogar das Essen kochen.

Und sie sitzt gemütlich vor dem Fernseher und isst die Schokoladenplätzchen, die Marcos Mutter ihm eingepackt hatte!

Doch das alles wird dieses Mal dadurch entschädigt, dass Marco alleine mit dem Zug zu ihr fährt.

Zwei Tage, nachdem er dies erfahren hat, steht er voll bepackt, unter anderem auch mit Schokokeksen, am Bahnsteig und wartet und wartet, denn der Zug der DB hat Verspätung.

»Mist!« denkt Marco, denn er kann es kaum noch erwarten, in den weichen Sitz des ICE, natürlich 1. Klasse, zu sitzen.

Er malt sich gerade aus, wie die anderen aus seiner Klasse staunen würden, wenn er ihnen das alles erzählt, als die Durchsage ertönt: »Auf Gleis 1 bitte zurücktreten, in Kürze trifft der ICE nach Berlin ein! Wir wünschen ihnen eine gute Fahrt und ei... ».

Den Rest kann Marco nicht mehr verstehen, denn der Zug hält gerade und die Bremsen zischen.

Marco ist so aufgeregt, dass er seinen Koffer am Bahnsteig vergessen hätte, wenn ihn der nette Schaffner nicht darauf hingewiesen hätte.

Im Zug angekommen, muss er erst mal seinen reservierten Platz suchen.

Als Marco ihn gefunden hat, versucht er verzweifelt, sein Gepäck in das Netz über ihm zu legen. Dabei fällt sein Rucksack dem älteren Herrn, der vor Marco sitzt, auf den Kopf.

Da der Herr schläft und einen guten Schlaf hat, bemerkt er dies nicht.

Trotzdem wird Marco rot, denn alle Blicke sind auf ihn gerichtet, es ist mehr als peinlich!

Marco versucht, die Blicke zu ignorieren, doch das ist gar nicht so leicht.

Nachdem er seine Tasche geholt hat, kommt auch schon der Schaffner und sagt: »Die Fahrkarten bitte!« Na ja, eigentlich sagte er: »Diefahrkartenbitte«, denn er sagt alles an einem Stück.

Als der Schaffner gegangen ist, schläft Marco gleich ein und träumt von seinen Klassenkameraden, die alle staunen, wie er alleine mit dem Zug fährt.

Als er aufwacht, hält der Zug, um ihn ist es dunkel und niemand ist mehr im Zug.

Marco erschrickt und steigt schnell aus.

Kurz danach, als der Zug schon wieder abgefahren ist, fällt ihm ein, dass er sein Gepäck vergessen hat.

Auf einmal bemerkt er Bewegungen an seinen Füßen. Was er sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Überall sind Ratten! Er schreit! Da berührt etwas seinen Arm. Er schreit noch mehr! Marco wacht schweißgebadet auf, er hat alles nur geträumt.

Übrigens: Von seinem Traum hat er seinen Freunden natürlich nichts erzählt und der Besuch bei seiner Oma war gar nicht so schlimm.