Jakob Mähler (8)

Wer stinkt

In der Ritterburg von König Adelheit lebte eine Prinzessin, die hieß Franziska und hatte einen wunderbaren Vogel. Franziska war groß, ziemlich rundlich und hatte das Gewicht von mindestens 100 Kilo. Aber für die Männer ein Traum. Wo sie auch hinkam, überall lauerten Männer. Der König musste schon zwei seiner Gehilfen mitschicken, um ihr die Männer vom Hals zu halten.

Eines Tages kam sie von einem Stadtbummel zurück. Als sie in die Ritterburg ging, kam König Adelheid auf sie zugestürzt. Er sagte: »Ich weiß nicht, was das ist, aber in deinem Zimmer stinkt es total.«

Die Prinzessin rannte, so schnell es mit ihrer Bauchmasse ging, zu ihrem Zimmer. Als sie die Tür aufmachte, fiel sie in Ohnmacht. Sie fiel genau in die Hände von dem Wachmann, der von der Last umgerissen wurde.

Die Prinzessin war nicht lange außer Gefecht. Doch der Wachmann hatte zwei verstauchte Hände.

Das Zimmer wurde von allen Ärzten gründlich untersucht, ob das nicht die Stinkkrankheit wäre. Aber sie konnten nichts heraus finden.

Der Vogel aber saß auf seiner Stange und kümmerte sich um nichts. Keiner wusste etwas, und deswegen wurde eine Magd rausgeschmissen, und die Prinzessin zog in das Zimmer ein.

Eines Tages kam ein Bettler vorbei und fragte nach etwas zu trinken. Der König mochte ihn nicht. Deswegen gab er ihm ein Fass voll Whiskey.

Als der Bettler so betrunken war, betrunkener geht’s nicht, führte der König den Bettler vor das stinkende Zimmer, stieß ihn hinein und machte die Tür zu.

Als der Bettler von seiner Trance aufwachte und roch, holte er schnell ein besonders großes Blatt aus der Tasche. Doch das wellte sich und zerbröselte in seinen Händen. Dann aber holte er das Whiskey-Fass und schüttete sich den Rest in den Mund.

Doch das half nichts. Er hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür. Er bekam keine Luft mehr. Er versuchte die Tür aufzutreten – vergebens. Als er aber dann die Klinke betätigte, ging die Tür einfach auf.

Er rannte aus dem Schloss. Aber er hatte vergessen, die Tür wieder zu zu machen. Kurz darauf war die ganze Ritterburg verpestet, und alle rannten davon.

Alle Mitbewohner versuchten nun, mit Whiskey den Gestank zu vertreiben.

Bald wurde es dem Vogel zu bunt. Er flog weg, und langsam verwehte der Gestank.

Dann fiel dem König ein, dass sie den Wachmann vergessen haben. Sofort stürzten ein paar Ärzte zu ihm.

Aber die Prinzessin hatte gerochen, dass nachdem der Vogel weggeflogen war, der Gestank aufgehört hatte. Für sie war es jetzt vogelklar, wer es war.

Der Wachmann litt unter Schock und konnte nichts mehr riechen. Das zehn Meter lange und fünf Meter breite Bett wurde mächtig von den 100 Mägden gewaschen.

Als der Gestank vollends verflogen war, gab es ein großes Fest im Speisesaal. Bei dem Fest gab es fast alle Speisen, die man sich vorstellen konnte. Alle Bewohner waren da, Mägde und Ritter.

Aber der Wachmann lag immer noch im Bett, und seine Frau kniete neben ihm.

Whisky gab es in Hülle und Fülle. Als die Prinzessin betrunken war und mindestens 50 Kilo zugenommen hatte, fiel sie mit einem großen »Hiks« auf die Nachttischplatte. Die Obstschale wurde zertrümmert und die Nachttischplatte flog in hohem Bogen auf den Kopf des Königs.

Der König wischte sich den Kuchen aus den Haaren und nahm zwei Ananasscheiben von den Augen und eine Ananasscheibe von der Nase. Der König war stinksauer und nahm ihr das 20-Liter-Fass, das fast geleert war, weg und beschlagnahmte es.

Die Prinzessin ging mit Begleitung vom Oberoffizier zu ihrem Zimmer. Sie war so betrunken, dass sie die Tür gegen ihren Kopf haute und k.o. ging. Sie fiel direkt in die Hände vom Oberoffizier, der von den 150 Kilo umgerissen wurde. Der Prinzessin war nichts passiert, aber der Oberoffizier hatte zwei gebrochene Hände. Er wurde von Ärzten umringt und musste Bettruhe für mindestens einen Monat halten.

Der König und die Prinzessin redeten ein ernstes Wort darüber. Über Diät. Doch die Prinzessin wollte davon nichts hören und steigerte sich auf 200 Kilo. Als sie dann aber ihr Zimmer betrat, saß da der Vogel und ließ gerade eine Stinkbombe. Die Prinzessin fiel diesmal nicht in Ohnmacht, sondern rannte schreiend zu ihrem Vater, König Adelheid. Sie fiel die Treppe herunter und kugelte dabei wie eine Bowling-Kugel herab.

Kurz darauf standen alle Burgbewohner mit sicherem Abstand von der Burg. Diesmal hatten sie aber niemanden vergessen. Wegen des Gestanks fiel die ganze Burg zehn Minuten später ein. Da fiel die Prinzessin in Ohnmacht und quetschte den König platt.

Dann kam der König aus dem Nachbarland und besetzte den Thron. Die Prinzessin aber wälzte jeden Mitbewohner der Ausländer, der ihr vor die Füße kam, platt. Sie war übler Laune. Als sie aber den König der Thronbesetzer plattwalzte, erklärte er ihr, dass sie jetzt Feinde wären.

Der König benachrichtigte zwei seiner Späher, sie sollten den Vogel holen. Als sie den Vogel hatten, sollten die fünf besten Krieger ihn in die neu gebaute Ritterburg hineinstoßen.

Am nächsten Morgen war die ganze Burg der Feinde zusammengekracht. Sie zogen wieder ab, und der Vogel setzte sich auf die Schulter von der Prinzessin. Sie schrie laut auf und schlug nach dem Vogel.

Doch das ganze Volk kümmerte sich nicht mehr um die Prinzessin, sondern feierte ein Fest. Der Vogel war der Ehrengast. Bei diesem Fest gab es doppelt so viel Essen wie bei dem ersten Fest. Und die Prinzessin haute tüchtig rein und nahm unglaubliche 75 Kilo zu. Das Fest dauerte einen Tag und eine Nacht.

Zwei Tage später ging ein stolzer und ein bisschen ärgerlicher König in das Zimmer der 275 Kilo schweren Prinzessin. Er sagte, dass er gerade einen Brief bekommen habe, in dem stehe, dass sie das Schwerste sei, was unser Land gehabt habe. Da war die Prinzessin sehr stolz.