Karlheinz Breinhälter (12)

Zoo

Heinz und Karl waren geradezu überwältigt vom Schönbrunner Tierpark. Dieser Ausflug sollte der krönende Abschluss ihres Österreich-Urlaubs werden. Genüsslich an einem Eis lutschend, schlenderten sie von einem Gehege zum anderen.

»Komm schnell her, Karl, da sind die Eisbären!«

Heinz lehnte sich über das Geländer hinaus, um besser sehen zu können. Dabei verlor er den Halt und stürzte ins Wasser. Karl schreckte das so sehr, dass er rücklings ins Piranha-Becken köpfelte. Das er ein guter Schwimmer war, rettete ihm im Moment das Leben – aber wie gesagt, im Moment. Denn jetzt sprangen von allen Seiten die hungrigen Bestien herbei. Karl versuchte verzweifelt, zu entkommen, aber zu spät. Schon spürte er, wie sein Körper Stück für Stück zerfetzt wurde.

Er hatte schon keine Hoffnung mehr, als ihn ein älterer Zoobesucher packte und herauszog. Mühsam richtete er sich auf, doch es kam, wie es kommen musste, er glitt in einer eigens verursachten Blutlache aus, und fiel den Piranhas erneut zum Opfer. Diesmal kam er aber nicht so glimpflich davon. In ein paar Sekunden hatten die Fische seinen Körper, oder besser gesagt, was noch davon übrig war, bis auf ein paar Hautfetzen zernagt.

Unterdessen war Heinz aus dem eiskalten Wasser aufgetaucht und hatte sich an einer künstlichen Eisscholle den Kopf wund geschlagen. Unglücklicherweise roch ein Eisbär das Blut, welches aus seiner Platzwunde strömte, und schlich sich zähnefletschend näher. Der noch ziemlich benommene Heinz merkte nicht, wie der Bär zum Schlag ausholte und wurde gleich darauf zu Boden geschmettert.

Er versuchte, die tiefen Risse, die der Hieb hinterlassen hatte, nicht zu beachten. Er wollte nur weg. Der Verletzte hatte Glück im Unglück. Denn als das Monstrum erneut zum Angriff überging und sich auf den Jungen stürzen wollte, übersah es einen spitzen Eiszapfen und erdolchte sich.

Mit letzter Kraft schleppte sich Heinz über die nächstbeste Mauer. Jetzt war er in Sicherheit – dachte er zumindest. Doch als er die ausgehungerten Löwen sah, die sabbernd auf ihn zutrotteten, geriet er wirklich in Panik. Er versuchte noch zu flüchten, da sprang ihn schon die erste Raubkatze an…