Martin Bangratz (12)

Der Untergang der Welt oder: Das riesige radioaktive Gummibärchen

»Gleich ist es vollbracht!« flüsterte Gordon, der 103-jährige Professor, der vor einiger Zeit aus der Sicherheitsanstalt entflohen war, um sein Lebensziel zu erfüllen: die Weltherrschaft. Im Laufe der Zeit erforschte er Hunderte von Möglichkeiten. Er war ein Genie. Das behauptete er wenigstens.

Bestimmt hat jeder, der diese Geschichte liest, es schon erkannt: Gordon ist wahnsinnig und der Bösewicht dieser Geschichte. Wer fehlt noch? Genau – der Held der Geschichte! Aber, wer sagt, dass es immer einen geben muss? Ich nicht! Also, in dieser Geschichte ist der Bösewicht der Held. Aber jetzt geht die Handlung weiter, bevor das hier so langweilig wird, dass es niemand mehr lesen will.

Gordons neuester Plan war, ein Gummibärchen mit radioaktivem Plutonium zu bestreichen und es in die Mikrowelle zu stecken, bis es so groß wie ein Haus war. Als Erstes musste er natürlich eine Mikrowelle bauen, die groß genug war. Finanziert hatte er das Ganze von dem Geld, das er von Tante Andrea vererbt bekommen hatte, bei deren Tod es sich herausstellte, dass sie eigentlich Onkel Andreas war. Das tut jetzt aber nichts zur Sache.

Als das Gummibärchen groß genug war, versetzte er ihm beim nächsten Gewitter einen saftigen Blitzschlag. Doch davon wurde das Gummibärchen nicht lebendig. Es brauchte mehr Strom. Also ging Gordon damit zu einem Kraftwerk, das am Rande der Stadt dieselbe versorgte.

Womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären. Wer will, kann noch einmal nachlesen. Die Stelle, an der Gordon sagte, dass es gleich vollbracht wäre. Nun ja, jetzt gibt es eine schlechte und eine schlechte Nachricht, was nach Adam Riese immer noch zwei schlechte Nachrichten macht. Die erste war, dass der Strom in der gesamten Stadt ausfiel und die zweite… Das Gummibärchen lebte!

Gordon jauchzte und führte einen Freudentanz auf. Durch sein Rückenleiden fiel er jedoch zu Boden. Aber das machte ihm im Moment nichts aus. Er zuckte und zappelte eine Weile herum, weil er vor Freude nicht stillhalten konnte.

Natürlich hatte sein Gummibärchen langsam ein wenig Aufsehen erregt. Schließlich sah man nicht alle Tage, wie ein radioaktiv verstrahltes Gummibärchen in der Gegend umher stapfte und dabei dreinsah wie zehn Tage Regenwetter.

Als Gordon seinen Lachanfall besiegt hatte, wollte er dem Gummibärchen befehlen, dass es die Stadt angriff und zerstörte. Leider kam es, wie es kommen musste: das Gummibärchen hatte einen eigenen Willen und gehorchte ihm nicht!

Gut, bis jetzt mag diese Geschichte ziemlich nach »Frankensteins Monster« klingen. Also denke ich ist es Zeit für etwas Abwechslung. Irgendetwas Unlogisches muss passieren. Zum Beispiel folgendes:

Plötzlich fing das Gummibärchen an zu wachsen. E wurde größer und größer. Inzwischen war das Militär gekommen und schoss mit Raketen auf das Riesengummiding. Leider war es zu weich, die Raketen wurden von der gefederten Gummihülle zurückgeworfen und zerfetzten auf der Erde die Panzer, von denen sie abgefeuert wurden.

»Was habe ich getan?« stammelte der verrückte Gordon, worauf das Gummibärchen nicht lange überlegte (Denken war nicht seine Stärke) und ihn niedertrat. Es stieg einfach auf ihn drauf.

Inzwischen planten die Kriegs- und Verteidigungsminister aus aller Herren Länder, eine Atomrakete auf das zu groß geratene Gummibärchen zu feuern. Von all dem ahnte es jedoch noch nichts. Es zerstörte Stadt für Stadt. Offenbar wollte es auch die Weltherrschaft – über eine vollkommen zerstörte und verlassene Welt. Das Gummimonster riss ganze Häuser aus und schien immer mehr zu wachsen, je mehr es zerstörte. Als es beim CN-Tower ankam, konnte es ihn schon ausrupfen wie eine Tulpe. Danach warf es ihn mitten in die nächstbeste Stadt und hinterließ dort wie überall eine unübersehbare Spur. Wo er auch hinkam, überall stießen die Leute ein Geschrei in den schrillsten Tönen aus. (Übrigens, habt ihr gemerkt, dass der »Held« der Geschichte schon tot ist? Jetzt gibt es gar keinen mehr!)

Nach 394 Städten, als das Gummibärchen gerade die sechs letzten Städte zum Jubiläum zerstören wollte, war es soweit! Die Atomrakete war startklar.

3… 2… 1… Feuer!

Mit atemberaubender Geschwindigkeit flog die Rakete erst dem Himmel entgegen, drehte dann um und steuerte ihrem Ziel entgegen: das Gummibärchen! Bald würden alle Probleme aus der Welt sein…

Leider hatten sie vergessen, dass das Gummibärchen mit Plutonium bestrichen war. Jetzt würden nicht nur die Probleme, sondern die ganze Welt aus der derselben geschafft werden. BOOOOOOOOOM! Die Erde explodierte mit einem lauten Knall.

Nachwort: Manch einer wird sich nun die Frage stellen, wie ich diese Geschichte schreiben konnte, wenn die Erde doch explodiert ist. Nun, das darf jeder selbst überlegen, weil ich es nicht weiß.