Werkstatt »Meine Stadt« – Tagebuch von Lena Bodner


Tagebuch Oberwölz

Wenn man schon bei neun Schreibzeiten war, sollte einem doch langweilig werden, oder? Immer ähnliche Leute und schreiben. Entwickelt das sich das nicht zu reiner Routine?
Ich finde das nicht. Jede Schreibzeit bietet neue Erlebnisse und Überraschungen. Auch »Meine Stadt«. Das ist die erste Schreibzeit, die ich auf zwei Wochenenden aufgeteilt erlebe, und genauso eine Einzigartigkeit wie alle anderen.
Als wir uns am Freitag alle am Bahnhof treffen, ich meine jetzt die aus Graz und Umgebung, sehe ich nur wenige bekannte Gesichter. Martin natürlich. Und Miroslava. Dann noch Lorenz und ÜBERRASCHUNG! Nada. Sie war auch bei meiner ersten Schreibzeit dabei gewesen.
Aber dann sind da auch so viele Mädchen, die das erste Mal dabei sind. Ihre Namen kenne ich, aber wer sie sind, weiß ich nicht. Und eine Zugfahrt ist wahrlich viel zu kurz, um etwas über sie heauszufinden!

Dann stehen wir im Jugendgästehaus und müssen uns auf Zimmer aufteilen. Mit wem sollen wir in einem Raum wohnen? Alexandra und ich kennen uns schon von früher, alle anderen sind uns erst seit sehr kurzer Zeit bekannt. Einige Teilnehmerinnen sind noch gar nicht da, gut, wir nehmen das Viererzimmer.
Zwei Betten oben, zwei unten, eine Stiege verbindet die beiden Stockwerke. Dazu noch ein Bad und … ein Fernseher!
Aber schon ist Abendessen, dann Kennenlernspiele. Tja, am liebsten wäre es Martin wohl, wenn wir um Punkt 22.00 Uhr einschlafen würden, aber hat er denn gar kein Mitleid mit unseren Süßigkeiten? Die könnten ja schlecht werden, wenn wir sie nicht aufessen!
Aber wie junge Leute nun mal sind, können sie lange aufbleiben und am nächsten Morgen putzmunter und fidel aus den Betten steigen.

Und unsere Mägen vertragen das auch. Selbstverständlich mit einem großen Frühstück als Draufgabe …
Aber wozu gibt es den »Verdauungsspaziergang«, den Stadtrundgang? Wir haben mindestens so viele Kalorien verbrannt, wie wir am letzten Abend, oder soll ich sagen, in der letzten Nacht, zu uns genommen haben!
Dann schreiben wir. Wobei davor natürlich noch die Trafik und der Supermarkt aufgesucht werden.
Aber wie soll ich meine Geschichte anfangen? Wie lang soll sie werden? Und was schreiben die anderen? Diese Fragen beschäftigen wohl viele von uns. Wer weiß schon die Antwort darauf?
Die erste Textbesprechung löst einen Teil dieser gestellten Fragen. Aber natürlich ist es schwer, zum ersten Mal richtige Textkritik zu bekommen oder zu geben.
Es dauert wohl eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat, die Meinung anderer aufzunehmen und seine eigene zu sagen.
Die zweite Schreibzeit. Viele arbeiten noch an den Texten vom Vormittag, andere sind schon beim Nächsten.
Abendessen, Textbesprechung (Gäääähn!), Spiele und … »Schlafenszeit«. Aber wie schon erwähnt, es wäre doch schade um die Süßigkeiten …
Außerdem haben wir ja einen Fernseher im Zimmer und können »Wetten dass …« ansehen. Das hat eigentlich nur einen Grund, wir wollen »Tokio Hotel« auf den Arm nehmen. Wer kann sich genauso »gut« bewegen wie die Bandmitglieder? Wir natürlich!
Tja, aber selbst bei uns ist einmal der Energiespeicher leer. Deshalb braucht sich Martin auch keine Sorgen um uns machen, weil wir sowieso schlafen müssen ;-).

Sonntag, keine offenen Geschäfte, nur schreiben. Das klingt jetzt fast wie eine Strafe, ist aber nicht so beabsichtigt. Es macht uns allen Spaß, ein gemütliches Plätzchen zu suchen und uns mit einem Schreibblock und einem Stift niederzulassen. Und wenn uns einmal langweilig ist, tratschen macht auch Spaß!
Das letzte Mittagessen im Jugendgästehaus, ein bisschen Abschiedsschmerz ist schon da …
Noch eine kurze Schreibzeit vor der letzten Textbesprechung, dann geht’s ans Zusammenpacken.
Doch auch eine Zugfahrt kann sehr amüsant sein, mit Keksen und Anekdoten. Wenn sie nur kein Ende hätte …
In Leoben steigen einige aus, alle anderen in Graz.
Das erste Wochenende ist vorbei, und wir freuen uns alle auf Deutschlandsberg!

Tagebuch Deutschlandsberg

Samstag, 8.20 Uhr. Grazer Hauptbahnhof. Wer ist nicht müde? Wir! Okay, eigentlich schon, aber durch die Wiedersehensfreude steht das im Hintergrund.
Wir steigen in den Zug ein und los geht’s, nach Deutschlandsberg!
Wer denkt, dass es im Zug immer ruhig zugeht, der hat sich geirrt. In drei Wochen kann so viel passieren, das man nicht durch E-Mails und Telefonate austauschen kann.
Doch die Zeit vergeht immer schnell, wenn man es nicht brauchen kann. Und so ist es auch auf der Zugfahrt. Sofort sind wir in Deutschlandsberg, so kommt es uns wenigstens vor. Nach einer kleinen Wanderung kommen wir im Jugendgästehaus an. Seltsam, es ähnelt dem in Oberwölz ziemlich. Gleiche Farbe, gleiches Geschirr und noch einige gleiche Kleinigkeiten. Aber wen störts? Kurz auf die Zimmer, und dann geht’s ab ins Stadtzentrum.
Wir sitzen auf der Wiese im Park, etwas entfernt ein Brunnen. Und während wir da so sitzen und schreiben, kommt Marie auf die Idee, sich das Gesicht abzukühlen. Sie geht zum Brunnen … Kurze Zeit später sehen wir sie im Brunnen ausrutschen, und schon läuft sie fluchend über die Wiese. Ihre ganze rechte Seite ist pitschpatschnass. Trotzdem witzig! Sehr witzig! Sehr, sehr witzig!
Also begleiten wir sie zurück zum Jugendgästehaus. Doch ein Problem: Eine Hose und ein T-Shirt lassen sich leicht finden, aber Schuhe? Gut, dass es Irene gibt! Nach einem kurzem Telefonat steht sie auch schon mit zwei Paar Schuhen vor der Tür (Daaaaaaanke! Ohne dich wären wir hilflos gewesen!)
Nach dem Mittagessen bekommen wir Besuch von einem Kinderbüromitarbeiter. Neben Foldern bringt er uns auch TrauDi-Drinks mit. Danach ist Textbesprechung. Eigentlich ist es langweilig, immer zuzuhören und zu kritisieren. Doch man möchte doch selbst seine Geschichten verbessern, wir müssen also durch!
Nach einer kurzen und ziemlich schlechten Schachpartie, sowie nach einem vom Kinderbüro gesponserten Eis geht’s wieder ans Schreiben. Mit Ausnahme, von Lorenz, dem war das eine Eis nicht genug.
Als wir uns am Abend wieder zur Textbesprechung treffen, ist ihm nach seinen eigenen Angaben schon schlecht, was ihn aber nicht daran hindert, richtig geraten, noch ein Eis zu essen.
Als letzten Programmpunkt, zumindest der letzte an diesem Abend, der alle betrifft, spielen wir Activity. Aber nur mit Pantomime. Es ist ganz schön schwer, wenn man Wörter wie »Name«, »Miete«, »Sünde«, »Geschlechtskrankheit« und »Hoffnung« darstellen muss! Aber Hauptsache ist doch der Spaß.
Und jetzt, lieber Martin, liebe Miroslava und liebe Nada, werde ich euch enttäuschen müssen, wenn ihr eine genaue Beschreibung der restlichen Zeit lesen wollt; wir essen, und irgendwann kurz vor Mitternacht, als Miroslava hereinkommt und sich im Zimmer geirrt hat, wir noch putzmunter essend auf den Betten sitzend und uns die Romy-Vergabe ansehen, wundern wir uns ziemlich und lachen. Aber der Fernseher ist wirklich praktisch, wir haben Personen beobachtet, die wir noch nie gesehen haben. Gut für die Allgemeinbildung.

Nächster Morgen.
Weil wir nicht sehr spät schlafen gegangen sind, haben wir uns schon längst fertig gemacht, als Miroslava an unsere Tür klopft. Außerdem haben wir auf Lorenz’ Fernseher »Tom Turbo« geschaut, obwohl der in unserem Zimmer genau das gleiche zeigt.
Nach dem Frühstück müssen wir zusammenräumen und zusammenpacken …, eben unsere Zimmer ausräumen. Und dann geht’s auf zur Burg. Nach dem Wahnsinnsmarsch sehen wir uns die Ausstellung an, wobei jeder etwas anderes interessant findet. Zum Schreiben verteilen wir uns in der alten Burg. Fast zu schnell ist die Zeit vorbei, und wir wiederholen die anstrengende Wanderung …
Einige Minuten zu spät sind wir bei der Essensausgabe. Bald sind auch schon die Ersten fertig und gehen auf die Wiese.
Wir schaukeln wie die kleinen Kinder und klettern auf einem komischen Gestell, an dem lauter Seile befestigt sind, über die man balancieren kann. Und dann spielt eine kleine Gruppe »Räuber und Gendarm«. Korrekt müsste es natürlich »Räuber und PolizistIn« heißen, aber es macht trotzdem Spaß.
Erhitzt kommen wir zu unserer letzten Textbesprechung. Während es am Vormittag so heiß gewesen ist, dass Regenschirme zu Sonnenschirmen umfunktioniert wurden und Viktoria für uns alle Papierhüte kreierte, kündigen jetzt die Wolken Regen an. So ist es dann auch. Aber nach dem Abendessen hat es wieder aufgehört, und vom Fenster aus kann man beobachten, wie Lorenz der Länge nach von der Schaukel in den Matsch plumpst. Normalerweise finde ich so etwas nicht lustig, aber die Komik der Situation war … umwerfend. Natürlich spielen wir auch mit vollem Magen weiter, keine Frage, nur eben nicht »Räuber und Gendarm«. Wir laufen aus einem unerfindlichen Grund durchs Haus und schreien (auch aus einem unerfindlichen Grund). Und bald müssen wir uns verabschieden, erst von Iris und Sarah, dann von Antonia und Alexandra. Und die dritte Wanderung an diesem Tag beginnt, der Marsch zum Bahnhof!
Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, jemanden erst zwei Stunden vor dem Ende der Schreibzeit richtig kennen zu lernen? Nicht einfach, denn wie kann man jemandem in so kurzer Zeit möglichst viel über sich selbst erzählen? Und wie kann man in so kurzer Zeit möglichst viel über den anderen erfahren? Es ist unmöglich, Gut, dass es das Internet gibt!
Graz, Hauptbahnhof. Baba! Auf Wiedersehen! *umarm*
Aber wir werden uns noch viele Male treffen, vielleicht in Dänemark oder Linz. Oder wieder einmal in Deutschlandsberg!Bevor ich mich jetzt endgültig verabschiede, möchte ich mich im Namen aller jeweils Beteiligten noch einmal bedanken.
1. Danke Irene, du warst unsere Rettung! (Das habe ich zwar schon einmal erwähnt, aber falls wir dich noch einmal brauchen, kann ein zweites Dankeschön nicht schaden.)
2. Danke Lorenz, dass wir bei dir fernsehen durften.
3. Danke an das Kinderbüro für das Eis! Und auch für die TrauDi-Drinks, die von einigen sehr genossen wurden.
4. Noch einmal Danke an das Kinderbüro, dass sie diese Schreibzeit unterstützt haben (Wobei ich anmerken muss, dass es ohne Thema lustiger gewesen wäre, dann würden nämlich die Geschichten, die eine andere Handlung als eine Stadt haben, nicht so auffallen)
5. Und jetzt zu allerletzt ein RIESENDANKESCHÖN an Martin, Miroslava und Nada, dass sie so gut auf uns aufgepasst haben, wir freuen uns auf die nächste Schreibzeit mit euch!

Und Julia, es war schade, dass du schon früher nach Hause gefahren bist, wir hätten zusammen viel Spaß gehabt!

Weitere Fotos gibt es in unserem Fotoalbum!




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