Schreibzeit Halle 2001 - Tagebuch


Samstag, 7. April

Uff! Um halb sechs hieß es für mich aufstehen, weil Treffpunkt Grazer Hauptbahnhof war, und ich (Lisa) aber in Leibnitz wohne. Endlich fertig! Schnell das Gepäck in den Kofferraum. Noch im Halbschlaf stieg ich ins Auto meiner Mutter, und sie brauste los Richtung Graz.
Um viertel acht kamen wir am Hauptbahnhof an, und um 7.44 Uhr sollte der Zug abfahren. In der Vorhalle warteten schon Martin Ohrt und ein paar andere Mitreisende.
Wir standen also am Bahnhof und warteten auf den Zug. Als er gekommen war, gab es noch Abschiedsküsschen von Mama und Papa, und die Reise konnte beginnen.
Eltern - bye, bye! - Zugfahrt - Juhuuu!
Aber was heißt da "Juhuuu?"
Nach zwei Stunden merkte ich, dass die Fahrt alles andere als "Juhuuu" war. (Die ÖBB könnten sich auch langsam einmal ’nen ICE anschaffen. Sollten sich ein Beispiel an der DB nehmen!)
Von der Herumschaukelei wurde fast allen schlecht, nur Irene nicht. (Sie hatte ja auch nicht tonnenweise Dragee-Keksi gegessen.)
Nach einiger Zeit verspürte Marieke den Drang, etwas zu trinken. Mineralwasser ausgepackt, aufgeschraubt - "Achtung, Bodenwelle" - und schon waren Tanjas Schuhe und ihr Rucksack voll mit Mariekes Mineral.
20 Minuten später jedoch erfolgte die zweite Panne: Melanie packt Latella aus - "Wah! Ich hasse so Milchzeugs! Warum packt mir die Mama immer so an Schaaas ein?!?" - Drei Schlucke waren getan, und "schwups" - war das nächste Getränk verschüttet. Die nächsten zwei Stunden war Melanie damit beschäftigt, mit Hilfe meiner Taschentücher und Mariekes Mineralwasser (sie hatte nicht alles verschüttet) den riesengroßen Latella-Fleck auf ihrer Hose rauszuwaschen. ("Wah! Schaut ja aus, als hätt i mi ang'schifft!!!")
Marieke beschäftigte sich mit ihrem Pokémon-Gameboyspiel ("Nein du Idiot! Wieso war die Attacke nicht effektiv???"), Tanja hörte Musik auf ihrem Discman, Melanie telefonierte die ganze Zeit, die Buben rissen Blondinenwitze und Martin O., Alisha und Irene spielten Karten. Ich las die ganze Zeit über mein Abenteuerbuch.
In Salzburg stiegen auch Anton, Klara und die Betreuerin Anna zu. Anton setzte sich zu den Buben und schob sich über die Blondinenwitze ab, Anna studierte die Zeitung und Klara lernte die Fußballseite einer Sportzeitung auswendig und machte Sportwetten.
Um 13.36 Uhr stiegen wir am Münchener Hauptbahnhof aus. Dort gab es einen einstündigen Aufenthalt. Wir gingen ins Café Rubenbauer. Martin O. und Anna tranken Kaffee, und da es dann nur mehr an der Theke freie Plätze gab und ansonsten nur mehr Stehplätze, gingen Martin F., Karlheinz, Thomas, Anton und ich uns ein bisschen umschauen. Anton beschloss, sein ganzes Geld zu verplempern, und im ersten Souvenirshop kaufte er gleich zehn (unnütze) Souvenirs auf einmal. In einem Comicshop waren wir auch, wo er sich wieder etwas kaufte. Auf Mittagessen hatte keiner so wirklich Lust, weil den meisten noch immer schlecht war. Dann ging es aber schon wieder weiter.
Marieke jammerte wegen ihrer schweren Tasche. Wir stiegen in den ICE. Ich (Alisha) saß mit Irene in einer Reihe. Leider konnte man im ICE die Fenster nicht aufmachen. Dafür gab es eine Lüftung. Aber trotzem wurde den meisten schlecht. Anna und Martin gingen in den Speisesaal.
Endlich! Wir kamen in Halle/Saale an. Aber wir waren noch nicht da, wo wir hinwollten. Also stiegen wir in die S-Bahn. Wir fuhren sieben Stationen.
Endlich waren wir angekommen. Draußen am Bahnsteig holten uns Christina Seidel, Pauline, Maria, Christiane und Pauline ab. Sie nahmen unsere Koffer und schleppten sie zum Auto. Das hieß eigentlich: Wir trugen die Koffer zum Auto, und sie nahmen uns die Koffer ab und luden sie ins Auto. Dann fuhr Christina mit dem Gepäck zur Villa Jühling. Wir gingen zu Fuß.
Als wir dort waren, wurden uns die Zimmer gezeigt. Als jeder sein Zimmer hatte, ruhten wir uns als erstes einmal aus, und dann gingen wir Abendessen.

Lisa Heidinger
Irene Diwiak
Alisha Gamsjäger


Sonntag, 8. April – Der erste Tag in Halle an der Saale!

Ich war zwar noch müde, trotzdem hüpfte ich aus meinem Federbett, zog mich ein wenig schlaftrunken an und ging hinunter, um zu frühstücken. Es schmeckte ausgezeichnet.
Nach dem Frühstück versammelten sich alle auf der Terrasse, um ein Interview mit einem anderen Kind zu machen. Ich fand diese Idee super, denn mit Hilfe dieses Interviews lernte ich die noch fremden, anderen Kinder erstmals ein wenig kennen.
Anschließend bekamen wir die ersten drei Schreibanregungen, die da lauteten: 1.) Abgehoben 2.) Unten durch 3.) Nichts wie weg. Am Anfang dachte ich mir noch: Na toll, was soll man da schon schreiben? Ich wählte das 3.) Thema, und Gott sei Dank fand ich eine passende Geschichte, welche zu diesem Thema passte.
Am Nachmittag besuchte uns der Schriftsteller Kurt Wünsch in der Villa Jühling. Er las uns eine nette Geschichte mit dem Titel: Ich mag dich! vor. Dieser Text gefiel mir besonders gut. Auch den anderen schien er sehr gut imponiert zu haben, denn als der Autor sein Werk vorlas schauten sie alle sehr interessiert und gespannt.
Wir Jungautoren hatten dann auch die Aufgabe, eine Geschichte oder ein Gedicht zu "Ich mag dich" zu schreiben.
Zirka zwei Stunden später trafen wir uns wieder, um nun unsere Werke vorzulesen. Ehrlich gesagt, war ich erstaunt, wie gut manche Stories waren, man könnte meinen, sie wären von Christine Nöstlinger. Jedenfalls hat sie schon einige sehr gute Nachfolger.
Gegen Abend nahmen wir unser Abendessen zu uns, gingen auf unsere Zimmer, genossen unser 5-tägiges Schriftstellerleben und gingen, wie die Nacht zuvor, spät zu Bett.

Tanja Pichler

Montag, 9. April

Das Frühstück aßen wir um neun. Danach spielten wir Räuber und Gendarm. Wobei sich die Räuber schon um 9.30 Uhr auf den Weg machten, die Gendarmen erst um 10 Uhr.
Schläfrig wanderten wir bis zum Mittagessen durch den Wald. (Spielregeln zu Räuber und Gendarm bitte woanders nachlesen!)
Um 12 Uhr war das Spiel vorbei, und wir liefen hungrig zum Haus zurück, wo uns um 12.30 Uhr die Mägen mit Gemüseauflauf (für Vegetarier) und Nudelauflauf (für Fleischfresser) gefüllt wurden.
Eineinhalb Stunden lang hatten wir dann Mittagspause, die manche mit Tischtennis Spielen, Spazierengehen, Lesen, Quatschen, Spielen usw. ausfüllten.
Um 14 Uhr begannen wir mit der Werkstatt. "Werkstatt" heißt, dass wir Geschichten zu verschiedenen Themen schreiben und nach maximal zwei Stunden vorlesen. Es gibt auch Besuch von verschiedenen Schriftstellern. Diesmal besuchte uns Konrad Potthoff. Er stellte uns die Aufgabe, ein schlechtes oder gutes Erlebnis zu beschreiben.
Um 18 Uhr gab es Abendessen. Danach war bis 22 Uhr Freizeit und bis 8 Uhr in der Früh Bettruhe.

Melanie Gerhold
Klara Jiranek
Karlheinz Breinhälter

Dienstag, 10. April

In der Früh kamen wir nur schwer aus den federn. Kein Wunder, zwei Uhr früh ist auch nicht die ideale Bettgehzeit. Am Vormittag kam Jürgen Jankovsky. Wir sahen uns einen Fil an: "Der Mansfelder Münchhausen. Danach sollten wir selber eine verlogene Geschichte erfinden. Es gab aber noch drei andere Themen zur Auswahl. Dann gab es Mittagessen. Die Texte wurden fertiggestellt und vorgelesen. Danach gab es Freizeit, Abendessen, Besprechungen, Freizeit bis … oh Gott!

Anton Maurer

Mittwoch, 11. April

Um acht Uhr klingelte der Wecker. Wie jeden Morgen schleppten wir uns aus dem Bett. Viel Schlaf hatten wir in dieser Nacht nicht. Bis um halb drei waren wir wach gewesen. Alle hatten Ringe unter den Augen und gähnten. Tägliche Morgenwäsche und Frühstück waren angesagt. Wir Mädchen standen ewig vor dem Spiegel, schminkten uns und bastelten an unseren Haaren herum, denn heute hatten wir einen Grund dazu, heute war die Abschlusslesung im Marktschlösschen Halle. In Hektik packten wir Deutschen die restlichen Sachen zusammen, es war ja schließlich der letzte Tag für uns. Die Österreicher sahen uns in aller Ruhe zu. Sie würden ja erst morgen abreisen. Halb zehn wurden die Reisetaschen in Frau Seidels Auto verladen. Und schon ging es los zur S-Bahnhaltestelle. Jetzt würden wir den Österreichern einmal die Innenstadt zeigen. Nach und nach verschwanden die Bäume und man sah nur noch Hochhäuser und Einkaufszentren.
"Nächste Haltestelle: Halle Saale Hauptbahnhof", ertönte die Stimme aus den Lautsprechern. Im Zug war es schön warm gewesen, aber hier draußen war es eiskalt. Wir liefen durch den grafittibeschmierten Tunnel auf den Boulevard. Die vielen kleinen Stände am Anfang waren nicht so toll, dafür war es schwer, an den großen und wirklich guten Läden am Ende des Boulevard einfach vorbeizugehen. Die Österreicher waren begeistert von dem großen Marktplatz mit den vielen Ständen und dem Rathaus. Sogar das Händel-Denkmal erkannten sie sofort.
Wir liefen quer über den Markt zum Marktschlösschen und entdeckten ein Plakat: "Jugend schreibt, Lesung zum Thema: ICH MAG DICH" Verdutzt schauten wir uns an. Einige Geschichten waren das glatte Gegenteil von ICH MAG DICH.
Im Schlösschen hatten wir einen Raum für uns und machten es uns gemütlich. Am Vortag hatten wir die Zettel gezogen und wollten nun die Straßengeschichten schreiben. Immer zwei Personen gingen zusammen zu irgendeiner Straße oder einem Weg und schrieben dort etwas zu der Straße, in der sie sich befanden. Maria und ich machten uns auf den Weg zu Brunos Warte. Wir tricksten etwas, kauften uns Fahrkarten und fuhren eine Station mit der Straßenbahn.
Dort angelangt, starrten wir in eine öde Gegend. Hier war nur ein Parkplatz und ein alter verrosteter Spielplatz. Wir beschlossen, uns etwas hier umzusehen, und entdeckten ganz am Ende dieser Straße einen Brunnen, wo sechs Handwerker eingemeißelt waren. Wir setzten uns und schrieben jeder ein Gedicht zu diesem Brunnen.
Als wir fertig waren und wieder zum Marktschlösschen gingen, war es schon um halb eins. Auf dem Weg trafen wir einen Österreicher und gingen noch ein Eis essen. Kurz vor um eins rannten wir nun wirklich zum Marktschlösschen. Dort stand schon für jeden ein Broiler bereit, und wir ließen es uns schmecken. Als wir fertig waren, machten wir uns auf den Weg zur Bürgermeisterin. Dort redeten wir ein wenig, und jeder bekam einen Stadtplan und ein paar Hallorenkugeln. Nochmals ging es zurück zum Schösschen. Wir luden unsere Sachen ab und machten einen kleinen Stadtbummel. Dann war es schon um fünf, und die Lesung würde bald beginnen. Wir setzten uns wieder in unseren "Privatraum", und es gab Bockwürste. Anschließend planten wir alles für die Lesung und machten noch ein paar Fotos.
Nun saßen wir alle geschniegelt und gebügelt im Lesungsraum. Es herrschte eine angespannte Stimmung. Die ersten Gäste kamen, und alle wurden noch aufgeregter. Die Lesung verlief sehr gut, und der Applaus war groß. Vor allem bei Antons Gedicht lachten sich alle schlapp. Dann war es schon um acht, und der Moment des Abschieds kam. Jeder umarmte jeden, und es war sehr schwer, sich nach dieser schönen Woche zu trennen. Tschüß Schreibwerkstatt, bis zum Sommer in Graz!

Pauline Vörös



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