Sommerschreibzeit Graz 2001 - Tagebuch


Montag, 16. 7. 2001

Endlich, der erste Tag in Graz hatte begonnen. Noch ganz verschlafen wälzten wir uns aus den Betten und begaben uns zum Essenssaal. Das Essen war dann doch ganz anders, als wir es erwartet hatten. Es gab Kipferl, Semmeln, Butter und Marmelade, Müsli, einen Käse- und Wurstteller und natürlich Getränke wie Milch, Saft und Tee. Nachdem wir alle satt waren, bekamen wir einen Treffpunkt sowie eine Treffzeit zum Geschichten Schreiben genannt.
Früher oder eher später trafen schließlich alle unter dem großen Baum in der Mitte des Innenhofes ein. Die Themen waren, wie in Halle, niederschmetternd langweilig, wir versuchten jedoch, das beste daraus zu machen. Zur Auswahl standen: Na toll, Es schlägt dreizehn und Alles ist ganz anders. Kein Wunder, dass es uns bei solchen Themen schwer fiel, gute Geschichten zu entwickeln. Nach zirka einer Stunde sollten wir fertig sein und uns unter der Weinlaube hinter dem Schloss einfinden, um die entstandenen Werke vorzutragen. Erstaunlicherweise waren die Texte nicht einmal so schlecht, wie wir es befürchtet hatten. Wir hatten also wirklich versucht, das beste aus den Vorgaben zu machen.
Völlig ausgehungert stürzten wir zum Speisesaal. Man konnte zwischen Menü 1 (Pute mit Letschosoße, Brokkoli und Polentaschnitten) und Menü 2 (Gemüsestrudel und Polentaschnitten) wählen.
Nach dem Essen packten wir unsere Badesachen und machten uns auf den Weg ins Naturbad Straßgang. Dort angekommen, hüpften manche sofort ins kühle Nass, einige erst später und ein paar gar nicht. Hier mussten wir ebenfalls unsere dichterischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Eine dreiviertel Stunde vor dem Abendessen packten wir abermals unsere Sachen und traten den Heimweg zum Schloss an. Nach dem Abendmahl rollten wir uns müde in unsere Betten und schliefen sofort ein.

Karlheinz
Thomas
Karsten
Georg

Dienstag, 17. 7. 2001

"Juhu!", alle waren begeistert. Der Stadtbummel stand an. Mit den Taxis wurden wir in das Rathaus gebracht. Wir wurden durch das Rathaus geführt, und anschließend gab's Brot und Getränke.
Dann hatten alle über zwei Stunden Zeit, durch die Stadt zu bummeln.
Als der Bus uns zurück ins Schloss St. Martin gebracht hatte, lasen und besprachen wir noch die am Vormittag geschriebenen Geschichten und Gedichte. Um 18 Uhr gab's Abendessen. Den meisten schmeckte das Putengeschnetzelte sehr.
Nach dem Essen konnte jeder tun, was er wollte. Es wurde fangen gespielt, gesungen und gelacht. Anschließend saßen die meisten mit großen Augen vor dem Fernseher (zum Ärgernis unserer Betreuer), denn es wurde gerade ein sehr spannender Thriller gespielt. Mit eckigen Augen fielen wir ins Bett und schliefen nach einer ordentlichen Portion Klatsch ein.

Ariane Füßl

Mittwoch, 18. 7. 2001

Zum Frühstück kamen wir ausnahmsweise einmal nicht zu spät. Dann, anstelle einer gemütlichen Schreibzeit, hetzten uns Martin, Christina und Anna auf die Suche nach irgendwelchen Zetteln. Auf die hatten wir nämlich, um das Ganze spannender zu machen, vorher Namen, Orte und Geschehnisse einer noch unbekannten Geschichte schreiben müssen. Als wir dann endlich alle unsere Zettel gefunden hatten, standen wir da. Einige hatten so intelligente Zusammenstellungen wie "Jesus – Hawaii - Heimweh" oder "Bill Clinton – Bulgarien – Geist treffen". Die Geschichten, die daraus entstanden, waren zum Teil sehr amüsant. Anderen jedoch fiel dazu überhaupt nichts ein. Und so kam es, dass uns Kathleen am Ende eine blutrünstige Horrorgeschichte vorlas.
Am Nachmittag, nach dem Vorlesen, teilten wir uns auf. Einige wenige schrieben noch, andere machten das Haus unsicher, oder sahen fern. Martin, Anna und Christina waren allerdings nicht sehr beglückt darüber, dennoch konnten wir sie überreden, uns am Abend doch noch James Bond schauen zu lassen.
Vielleicht glaubten sie, dass danach endlich Ruhe wäre, aber sie hatten sich getäuscht. Bis spät in die Nacht hopsten einige jodelnd und Polka tanzend durch den Aufenthaltsraum. Eine verstimmte Gitarre sorgte für gute Laune, sodass wir lange nicht einschlafen konnten.
PS: Vielleicht wird am Donnerstag noch eine Galavorstellung gegeben. – SCHRECK LASS NACH!!!

Lisa
Beatrix
Katharina
Gudrun

Donnerstag, 19. 7. 2001

Alle waren noch etwas verschlafen, als wir zum Frühstück in den Speisesaal kamen. Es gab wie immer Joghurt, Müsli, Milch und so 'nen Kram. Nach dem Frühstück hatten wir bis Mittag Zeit zu plaudern, heimlich fernzusehen und zu lesen. Als wir zum Mittagessen kamen, gab es gegrilltes Fleisch, Würstel und noch so eine komische Vegetarierspeise.
Nach dem Essen übten wir das Vorlesen. Dann hieß es: Auf zur Lesung! Als wir in den kleinen Saal traten, waren wir zuerst wie gelähmt: So viele Leute! Wir rissen uns gegenseitig das Programm aus der Hand, um zu sehen, wann wir vorlesen mussten. Ich (Anton) atmete auf. Ich stand an neunter Stelle. Das hieß: Vom dritten Viererblock war ich der erste. Es war nämlich so geplant, dass sich immer vier zugleich an den Vorlesetisch setzen sollten.
Und dann ging es los. Martin sprach die einführenden Worte, und die ersten vier 'Opfer' setzten sich an den Tisch. Kathleens Geschichte war mit Sicherheit die grausigste. (Kleine Umfrage: Ist Menschenfleisch besser als Schnitzel?)
Und dann war ich dran. Mit gesenktem Kopf leierte ich mein Gedicht herunter, und kam mir reichlich blöd vor. Ich atmete erleichtert auf, als das Publikum applaudierte. Zum Glück war die Lesung bald vorbei. Nachdem Lisa ihr Supergedicht vorgelesen hatte, kamen wir auf die Schnapsidee, dem Publikum etwas vorzujodeln. Wir hatten nämlich eine Jodlerband gegründet. Wir, die 'Pyjamabande' (Christoph, Lisa, Patrick und ich), jodelten oder sangen alles nieder, was uns in den Weg kam.
Obwohl ich zuerst protestierte, war ich schließlich doch begeistert als es hieß: "Und 1, und 2, und 1, 2, 3, 4…"
"Di jodlaretieti…" legten wir los. Nachdem ich mir eine kleine Blamage geleistet hatte (fragt mich bitte nicht, was passierte!) und wir unser dreiminütiges Programm beendet hatten, gab es auch tosenden Applaus. Vor allem für Patrick, unser Sänger-As.
Einige Zeit später krochen wir müde, verschwitzt und glücklich in unsere Kojen und schliefen (fast) sofort ein.

Patrick
Anton



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