Schreibzeit Graz II 2000 - Tagebuch


Samstag, 15. 4. – Die Ankunft

Müde stiegen wir aus unseren Betten. Wir waren sehr aufgeregt, bald würden wir im Zug nach Österreich sitzen.
Etwas später standen wir auf dem Halleschen Hauptbahnhof.

Unsere Eltern winkten uns zu und wir winkten vom Zug aus zurück.
In Naumburg stiegen wir um, und zwei neue Mädchen waren von da an auch mit dabei. Jetzt standen uns elf Stunden Fahrt bevor. In Bischofshofen nahmen wir in einem Abteilwagen Platz. Wir erzählten uns Witze und Geschichten. Ab und zu kam ein Mann vorbei und fragte: »Möchtet ihr etwas trinken, Cola, Fanta, Kaffee oder Apfelsaft?«
Wir winkten ab, und außerdem hatte der Mann einen komischen Dialekt.
Die letzten Stunden vergingen wie im Fluge. Endlich, endlich kamen wir am Grazer Hauptbahnhof an. Dann hievten wir unser schweres Gepäck zu den Taxis, die uns zum Schloss St. Martin brachten.
Dann gab es Wurst, Brötchen und etwas zu trinken zum Abendbrot. Wir beneideten die Österreicher, die nicht so lange fahren mussten.
Dann machten wir Begegnungsspiele, z.B. "Mörder". Dabei muss man jemanden anblinzeln, der dann "tot" umfällt, und ein vorher bestimmter Kommissar muss den Täter finden.
Müde aber glücklich fielen wir alle in die Betten.

Maria Kösterke
Lisa Roch
Pauline Vörös


Sonntag, 16. 4.

Gähn! Nachdem wir uns mühevoll aus dem Bett erhoben hatten, gingen wir zum Frühstück, welches um 8.30 Uhr begann. Hmmm ... was es da alles gab ...
Joghurt, Cornflakes, Kipferl mit Butter, Marmelade, Kakao und Tee stopften wir in uns hinein. Nach kurzer Pause trafen wir uns dann zum ersten Mal im Seminarraum. Dort gab uns Martin die Themen für den Vormittag bekannt, zu denen wir eine Geschichte schreiben durften.
Also setzten wir uns in unseren Zimmern zusammen und schrieben unsere netten Geschichterln. Nein, zuerst mussten wir eine Geschichte erfinden. Dazu brauchten wir zum Glück nicht lange, sonst wären wir bis ca. 11 Uhr (wir wissen es nicht mehr genau) nicht fertig geworden.
In zwei Gruppen getrennt lasen wir unsere Texte vor. Dann aßen wir zu Mittag. Es gab Schnitzel mit Pommes und Ketchup. Das schmeckte gut!
Nun hatten wir Mittagspause. Manche gingen ins Freie, andere quatschten in den Zimmern. Später trafen wir uns wieder im Seminarraum. Dort gab uns Martin neue Anregungen für tolle Geschichten. Jetzt verkrochen wir uns wieder in unsere Zimmer. Wieder entstanden spannende Geschichten.
Nachdem jeder seine Geschichte im Seminarraum vorgelsen hatte, gab es Abendessen. Einfach köstlich!
Und wieder durften wir uns verziehen. Es wurde gequatscht und getratscht. Besucher gab es, ob willkommen oder nicht.
Danach gab es ein letztes Treffen im Seminarraum. Wir spielten "Blinzeln". So konnten wir beweisen, dass wir nicht nur toll schreiben, sondern auch super aufpassen können. Nachher gab es noch viel Action im zweiten Stock, aber irgendwann lagen wir im Bett und schlummerten dem nächsten Tag entgegen.

Kerstin Allram
Melanie Gerhold
Susanne Gottlieb


Montag, 17. 4.

Zum Mittagessen gab es Strudel mit Vanillesauce. Danach hatten wir Mittagspause. Um 3 Uhr trafen wir uns zum Geländespiel "Räuber und Gendarm".
Die "Räuber" legten im Wald Zettel aus, worauf verschiedene Aufgaben geschrieben wurden. Eine viertel Stunde nach den Räubern starteten die Gendarmen. Sie mussten die Aufgaben, wie zum Beispiel eine SMS an Martin schreiben, ausführen. In der Zwischenzeit liefen die Räuber zum Schloss zurück. Sie wollten sich verstecken, damit die Gendarmen sie suchen müssten. Taten es dann aber doch nicht. Nur vier waren vorausgelaufen und warteten vergeblich auf die anderen. Danach wurden von ein paar Leuten Überraschungseier versteckt, die dann alle suchten.

Wir blieben noch eine Weile draußen und machten Spiele. Aber dann war Telefonterror angesagt. In jedem Zimmer gab es nämlich ein Telefon. Von Zimmer zu Zimmer ist das Telefonieren kostenlos. Man kann sich sicher denken, dass andauernd telefoniert wurde. Ich glaube, Stefan fand es nicht so toll, denn wir spielten über sein Telefon eine gewisse Carolin, die total verliebt in ihn war. Es nervte ihn irrsinnig, weil er schon vermutete, dass das nur eine Verarschung war.
Zum Abendessen gab es Berner Würstel mit Kartoffelpüree und als Nachtisch Biskotte mit Orangencreme. War echt lecker!
Dann ging es bis tief in die Nacht mit Telefonterror weiter, und wer schon früher schlafen wollte, musste einfach den Hörer abheben und daneben legen.

Lisa Katharina Hörzer
Ariane Füßl

Dienstag, 18. 4.

"Hallo, aufwachen!" Lisa kam in unser Zimmer, in dem wir zu zweit schliefen, und versuchte uns aufzuwecken. Weil das gar nicht so einfach war, benutzte sie dazu kaltes Wasser.
Zehn Minuten später gingen wir, endlich angezogen und hungrig, in den Speisraum. Wie jeden Morgen konnten wir zwischen Cornflakes, Müsli, Schinken, Käse, Semmeln, Schwarzbrot und zwischen Tee, Kakao und Kaffee wählen. Danach nahmen wir uns noch Obst, das wir im Zimmer essen wollten.
Bevor wir gingen, stand Martin auf und sagte für alle laut hörbar: "Wir treffen uns in einer Stunde im Seminarraum. Heute fahren wir nämlich in die Grazer Innenstadt." Jubelnd zogen wir uns in unsere Zimmer zurück.
Pünktlich um zehn saßen wir alle in einem großen Sesselkreis im Seminarraum. Unsere Betreuer Anna, Christina und Martin hatten einige Zettel im Kreis verteilt. Jede Gruppe, wir waren zimmerweise eingeteilt, zog einen Zettel. Gespannt entfalteten wir das Blatt Papier. Darauf war ein Stadtplan von Graz abgebildet. Martin hatte bei uns die Pomeranzengasse mit Rotstift markiert. Er erklärte alles: Wir mussten die Gasse vom Hauptplatz aus finden und dort eine Geschichte über sie schreiben. Glücklicherweise befand sich unsere Gasse gleich neben dem Hauptplatz. Wir mussten also nicht weit gehen. Christina zählte uns sicherheitshalber noch einmal durch, bevor wir alle gemeinsam mit dem Bus in die Innenstadt fuhren.
Am Hauptplatz angekommen, machten sich die einzelnen Gruppen auf den Weg. Wir gingen dreimal an der Pomeranzengasse vorbei und fragten fünf verschiedene Leute, bis wir sie endlich fanden. Das Gässchen war unheimlich, denn es war dunkel und schmäler als ein Küchentisch. Trotzdem lehnten wir uns an die kalten Mauern und begannen zu schreiben. Wir beschlossen, unsere Geschichte nach 15 Minuten abzuschließen und dann bummeln zu gehen.
Als wir glaubten, alle Buch- und Süßigkeitengeschäfte besucht zu haben, und auch unsere Geldtaschen um einiges leichter waren, trotteten wir zum Rathaus, wo die anderen schon auf uns warteten.

Kathrin Wolf
Julia Wurzinger

 


 

 

 

 

 

 

 

 



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